SOS-Aquarium
Pflanzenkrankheiten und -mängel
Nährstoffmängel, Schädlinge und Krankheiten von Wasserpflanzen erkennen.
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SOS-Aquarium
Pflanzenkrankheiten und -mängel
Nährstoffmängel, Schädlinge und Krankheiten von Wasserpflanzen erkennen.
Umweltbedingt (Wasserqualität)Allelopathie
Allelopathie ist ein Vorgang echter chemischer Konkurrenz zwischen Pflanzen. Einige Arten geben über Wurzeln oder Blätter Allelochemikalien wie Phenole oder Alkaloide ab, die Keimung, Wurzelentwicklung und Wachstum naher Konkurrenten hemmen, um Licht und Nährstoffe zu sichern. Im Aquarium wird etwa eine vermutete gegenseitige Toxizität von Cryptocoryne und Vallisneria oder gehemmtes Wachstum neben großen Microsorum-pteropus-Beständen genannt.
Umweltbedingt (Wasserqualität)Ammoniakverbrennung
Ammoniak (NH3) ist für Fische hochgiftig, dient Pflanzen aber in Spuren als Stickstoffquelle. Starke Peaks verursachen chemische Verbrennungen. Das Risiko ist in den ersten Wochen mit stark gedüngten aktiven Böden wie ADA Aqua Soil Amazonia häufig. Oberhalb von pH 7,0 wandelt sich mehr Ammonium (NH4+) in das giftigere NH3 um.
NährstoffmangelCalciummangel (Ca)
Calcium ist der Baustoff der pflanzlichen Zellwände in Form von Calciumpektat. Es ist in der Pflanze vollständig unbeweglich: Alte Blätter bleiben oft normal, während neu gebildete Gewebe bei Mangel sofort strukturell versagen.
Umweltbedingt (Wasserqualität)Cryptocorynen-Schmelze
Die Cryptocorynen-Schmelze ist eine natürliche Anpassungsreaktion und keine Infektion. Nach Änderungen von Wasserchemie, Licht, Sauerstoff oder CO2 — besonders beim Wechsel von emerser Kultur zu submerser Haltung — nutzt die Pflanze Reserven in Rhizom und Wurzeln, löst alte Blätter auf und bildet neue, an das Aquarium angepasste Blätter. Auch Vallisneria und Bucephalandra können betroffen sein.
NährstoffmangelEisenmangel (Chlorose)
Eisen ist ein zentraler Mikronährstoff für die Chlorophyllbildung. Da Eisen in der Pflanze unbeweglich ist, kann es nicht aus alten Blättern in neue Gewebe verlagert werden. Sinkt das verfügbare Eisen in der Wassersäule, sind deshalb vor allem die frischen Triebspitzen betroffen.
Umweltbedingt (Wasserqualität)Erstickung durch epiphytische Algen
Pflanzen sterben oft nicht an inneren Mängeln, sondern weil epiphytische Algen sie physisch ersticken. BBA (Black Beard Algae), GSA (Green Spot) und Geweihalgen haften fest an der Blattepidermis. Bedecken sie mehr als 50-60% der Blattfläche, wird Licht abgeschirmt, der O2- und CO2-Gasaustausch behindert und das einzelne Blatt stirbt nekrotisch ab.
Umweltbedingt (Wasserqualität)Flüssigkohlenstoff-Toxizität
„Flüssigkohlenstoff“, der als CO2-Alternative oder Algizid verkauft wird, enthält Glutaraldehyd oder ähnliche Polymere. Viele Pflanzen vertragen die empfohlene Dosis, doch das Mittel wirkt als mildes Biozid gegen Algen. Pflanzen mit dünner Cuticula können es selbst in geringer Dosis nicht vertragen; Überdosierung kann Gewebe irreversibel verflüssigen.
NährstoffmangelKaliummangel (K)
Kalium (K) ist ein wichtiger Makronährstoff für Enzymaktivierung und Osmoregulation. Anders als Stickstoff und Phosphor wird es durch Fischabfälle kaum bereitgestellt und muss in fast allen Pflanzenaquarien ergänzt werden. Es ist sehr mobil; deshalb zeigen ältere Blätter die Symptome zuerst.
Umweltbedingt (Wasserqualität)Kohlenstoff- / CO2-Mangel
Kohlenstoff macht über 45% der Trockenmasse einer Pflanze aus; gelöstes CO2 ist die entscheidende Variable im Pflanzenaquarium. Bei starkem Licht und zu wenig oder schwankendem CO2 stoppt die Photosynthese, Pflanzen geben organische Stoffe ab und Pinselalgen (BBA) werden begünstigt.
Umweltbedingt (Wasserqualität)Kronen- und Stängelfäule
Diese mechanische und durch Sauerstoffmangel verursachte Fäule von Stängel oder Rhizom beruht meist auf Pflanzfehlern, nicht auf Nährstoffmangel. Werden Rosettenkronen oder Rhizome von Anubias, Microsorum, Bucephalandra oder Cryptocoryne zu tief eingegraben, ersticken die weichen Gewebe. Bei Rotala und Ludwigia nimmt ein zu dichtes Stängelbündel im selben Loch der Basis Licht und Sauerstoff.
Umweltbedingt (Wasserqualität)Kupfertoxizität
Kupfer (Cu) ist als Spurenelement in kleinsten Mengen für Plastocyanin und den photosynthetischen Elektronentransport nötig, wird aber oberhalb von 0,1 mg/l stark giftig. Kupfersulfat-haltige Parasitenmittel, Algizide oder Molluskizide können die Eisenaufnahme blockieren und zelluläre Enzyme zerstören.
Umweltbedingt (Wasserqualität)Lichtverbrennung (Photoinhibition)
Mehr Licht bedeutet weder automatisch schnelleres Wachstum noch keine Algen. Übersteigt die einfallende Photonenzahl die Verwertungskapazität der Pflanze, besonders bei zu wenig gelöstem CO2, schädigt Photoinhibition die photosynthetischen Systeme; überschüssige Sauerstoffradikale oxidieren das Gewebe.
NährstoffmangelMagnesiummangel (Mg)
Magnesium ist das Zentralatom des Chlorophylls und neben Calcium einer der beiden wichtigsten GH-Mineralstoffe. Hartes Wasser kann daher sehr kalkreich, aber magnesiumarm sein. Als mobiler Nährstoff wird Magnesium bei Mangel aus alten Blättern in neues Wachstum verlagert.
NährstoffmangelPhosphormangel (P)
Phosphor, im Aquarium meist als Phosphat PO4 gemessen, wird für ATP, DNA und die Energieübertragung benötigt. In dicht bepflanzten Becken bremst eine zu geringe Verfügbarkeit den Stoffwechsel deutlich, auch wenn Licht und andere Nährstoffe passend erscheinen.
BakteriellRhizomfäule (Anubias-Krankheit)
Anubias, Bucephalandra und Javafarne sind Epiphyten mit einem dicken, kriechenden Rhizom. Rhizomfäule ist eine zerstörerische bakterielle Erkrankung, oft im Zusammenhang mit Erwinia oder Pseudomonas, die Gefäßgewebe rasch abbaut und andere Epiphyten in der Wassersäule erreichen kann.
Schädling / BefallSchäden durch Pflanzenfresser
Mechanische Schäden durch pflanzenfressende Fische oder Schnecken werden oft mit Kaliummangel verwechselt. Fraßlöcher haben scharfe oder gezackte Ränder und durchscheinende Schabstellen, während Mangelnekrosen gelbliche, diffuse Ränder haben. Ancistrus und Plecostomus schaben besonders bei Echinodorus die obere Epidermis ab und lassen ein Adernetz zurück; Schnecken, Buntbarsche und pflanzenfressende Salmler fressen ganze Blattstücke.
NährstoffmangelSchwefelmangel
Schwefel (S) ist ein wichtiger struktureller Makronährstoff und wird gegenüber NPK oft übersehen. Pflanzen nehmen ihn als Sulfat (SO4-2) auf; er ist für Cystein, Methionin und Chlorophyll nötig. Handelsdünger, besonders Kalium- oder Magnesiumsulfat, liefern ihn meist mit, daher ist ein echter Mangel selten. Er kann bei reinem Umkehrosmosewasser (RO) und ausschließlich mit Nitraten oder Chloriden formulierten Düngern auftreten.
NährstoffmangelSpurenelementmangel (B, Mn, Zn)
Neben den NPK-Makronährstoffen und Eisen benötigen Pflanzen geringe Mengen an Mangan, Bor, Zink, Kupfer und Molybdän. Sie ermöglichen Enzymreaktionen, Proteinsynthese und DNA-Replikation. Der Mangel tritt vor allem in High-Tech-Becken mit 100 % Osmosewasser ohne vollständige Mikrodüngung auf.
NährstoffmangelStickstoffmangel (N)
Stickstoff ist Bestandteil von DNA, Proteinen und Chlorophyll. Fischabfälle liefern ihn über den Stickstoffkreislauf, doch ein stark beleuchtetes, mit CO2 versorgtes Pflanzenaquarium kann 3-5 mg/l Nitrat täglich verbrauchen. Übersteigt die Pflanzenmasse die biologische Belastung, fällt der Vorrat auf null.
Umweltbedingt (Wasserqualität)Substratverdichtung und H2S
Wurzelasphyxie entsteht, wenn der Bodengrund anoxisch wird. In tiefem, sehr feinem und ungestörtem Sand fördert fehlende Strömung anaerobe Bakterien, die Schwefelwasserstoff (H2S) bilden, ein hochgiftiges Gas mit Geruch nach faulen Eiern. Wurzeln werden schwarz und weich; eine große Freisetzung ins Wasser kann Fische und Wirbellose töten.
Umweltbedingt (Wasserqualität)Temperaturschock
Der Stoffwechsel von Wasserpflanzen wird direkt von der Wassertemperatur bestimmt. Während tropische Fische oft 28-30°C bevorzugen, gedeihen die meisten Aquarienpflanzen, häufig subtropischer Herkunft, zwischen 21 und 24°C. Über 28°C übersteigt die Zellatmung die Photosynthese, sodass die Pflanze mehr Energie verbraucht als sie erzeugt. Ein plötzlicher Temperaturabfall bei einem Wasserwechsel im Winter lässt dagegen ihre Transportgewebe zusammenbrechen.
Umweltbedingt (Wasserqualität)Umstellung von emers auf submers (Schmelzen)
Etwa 95% der im Handel erhältlichen Aquarienpflanzen, im Topf oder in vitro, werden in Hydrokultur emers gezogen. Ihre Blätter besitzen eine dicke Wachskutikula, andere innere Kanäle und zur Luft geöffnete Spaltöffnungen. Unter Wasser können diese Blätter nicht mehr atmen oder gelöste Nährstoffe aufnehmen. Die Pflanze zieht daher Energie aus den alten, schmelzenden Blättern ab und bildet neue angepasste Unterwasserblätter.
